Arbeiter
und Siedlung
Im Jahre 1744 arbeiteten auf dem Eisenwerk und in den St. Ingberter Erzgruben
26 Personen. Zehn wohnten am Hüttenwerk, weitere 16 hatten sich "in der Mausbach",
einem Tal im Wald zwischen St. Ingbert und dem heutigen Schüren, niedergelassen.
Diese offenbar spontan entstandene Siedlung wurde einige Jahre später wegen
Feuergefahr von der Forstverwaltung aufgelöst. Ein Bewohner wird als "Tirroller"
bezeichnet1, möglicherweise ein Hinweis
auf seine Herkunft aus Tirol, von wo in dieser Zeit Hüttenleute in die Saargegend
einwanderten. Ende der 1770er Jahre wird ein Großhammerschmied aus dem Breisgau
erwähnt. Andere Arbeiter kamen von Hüttenwerken der Saarregion, wie jener "Kleinschmelzer"
aus der Gegend von Tholey, der zur gleichen Zeit auf dem St. Ingberter Eisenwerk
tätig war2.
Auch Hüttenleute aus dem Elsass, der Pfalz und der
Eifel ließen sich in St. Ingbert nieder3.
Während die meisten Menschen bis ins 19. Jahrhundert kaum ihre Heimatregion
verließen, wechselten die Hüttenarbeiter dank ihrer seltenen und begehrten Berufskenntnisse,
aber auch auf Grund der wechselhaften Entwicklung der frühen Industrieunternehmen,
häufig ihren Aufenthaltsort. Der Beruf wurde in der Regel in der Familie weitergegeben.
So finden wir unter den Formern oder Sandgießern immer wieder dieselben Familiennamen.
Die Unterkünfte der Arbeiter in den ersten Jahrzehnten
des Eisenwerks muss man sich als provisorische Behausungen vorstellen. In der
Schätzung, die 1759 anlässlich des Bestandswechsels vorgenommen wurde, wird
ein altes und ein neues Herrenhaus sowie die Wohnung des Hammerschmieds erwähnt,
von Arbeiterhäusern ist keine Rede. Erst 1771 weist der Beständer Lauer darauf
hin, dass er an Stelle von Baracken neue Arbeiterhäuser errichtet habe. Zu dieser
Zeit gab es vier Häuser mit 13 Wohnungen. Letztere umfassten Küche und Stube,
einige waren mit einer zusätzlichen Kammer ausgestattet. Zur Bauweise der Häuser
heißt es: "Der ganze Bau ruht auf einer Grundmauer, darauf erhebt sich eine
Riegelwand von Eichen, welche mit Lehm bestochen ist. (...) Der Giebel ist mit
Buchendielen beschlagen. Die inneren Scheidewände sind aus Eichen und reichen
bis ins Dach. Dieses ist... mit Ziegeln gedeckt. Hinter der 3. Wohnung ist ein
Stall aus Eichenholz. Drei Wohnungen [das beschriebene Haus umfasste vier Wohnungen,
Verf.] haben Backöfen"4. Bei einem
tief gelegenen Gebäude drang bei starkem Regen Wasser in die Wohnungen ein.
Der älteste Teil der heutigen Siedlung entstand
im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. Die Häuser befanden sich in unmittelbarer
Nähe der Produktionsanlagen. Das Herrenhaus stand in Sichtweite sowohl der Wohnhäuser
als auch der Arbeitsstätte. Arbeiter und Meister lebten in enger Nachbarschaft,
aber in getrennten Häusern, wobei die Größe der Wohnungen der sozialen Stellung
ihrer Bewohner entsprach.
Mit der Errichtung des Stahlwerks und dem Ausbau
des oberen Werks wurde die Siedlung um die Wende zum 20. Jahrhundert in Richtung
auf die neuen Anlagen hin erweitert. Wie im Bergbau und bei den anderen Hüttenwerken
erforderte die wachsende Zahl auswärtiger Arbeiter außerdem den Bau eines Schlafhauses.
Es wurde etwas abseits der Siedlung erstellt. Die Gründung des Hüttenkonsums
zeugt von der Notwendigkeit, eine kostengünstige Versorgung mit den Gütern des
täglichen Bedarfs sicherzustellen. Während im Herrenhaus Arbeit und Wohnen noch
unter demselben Dach verbunden waren, erhielt die Verwaltung später eigene Räumlichkeiten
im Werksgelände, während für die Direktoren zwei Villen im Wald oberhalb der
Produktionsanlagen entstanden. Sie sind durch eine Mauer von der Arbeitersiedlung
getrennt. Die Familie Kraemer ließ sich in Villen außerhalb des Hüttengeländes
nieder.
Vor dem Ersten Weltkrieg besaß das Eisenwerk 129
Wohnungen für Belegschaftsangehörige, von denen 84 für Arbeiter, 24 für Meister
und 21 für Angestellte vorgesehen waren. Die Pläne zum Bau einer "moderne[n]
Wohnungskolonie"5 wurden nicht mehr verwirklicht.
Nach dem ersten Weltkrieg erfolgte die Erweiterung des Wohnungsbestandes durch
den Ankauf und Neubau einzelner Häuser.
Ab Ende der 1950er Jahre wurde die Alte Schmelz
ein weiteres Mal zum Ziel von Zuwanderern. Nun zogen italienische und später
türkische Arbeitsmigranten in die Werkswohnungen. Als das Drahtwerk 1994 die
Siedlung abtrat, stellten ausländische Arbeiter und ihre Familien fast die Hälfte
der damals 140 Bewohner.
Die Werkssiedlung blieb eine Welt für sich, die
lange Zeit durch das Gelände des Eisenwerks von der Stadt abgetrennt war. Durch
die Stillegung der Produktion im mittleren und oberen Werk bietet sich erstmals
die Gelegenheit, die Siedlung und das historische Werksgelände städtebaulich
mit dem Stadtzentrum zu verbinden.
1 Krämer, Eisenwerk, S.
25
2 Ebenda, S. 58
3 Sterberegister St. Ingbert,
Landesarchiv Saarbrücken, Mormonen-Verfilmung
4 Krämer, Eisenwerk, S.
99
5 Eisenwerk St. Ingbert 1733-1913, S. 71
Von der Werkssiedlung zur Wohnungsgenossenschaft
Mit dem Abriss des größten Teils des Neunkircher Eisenwerks und die Auseinandersetzungen
um die Erhaltung der Völklinger Hütte rückte das industrielle Erbe in den 1980er
Jahren erstmals im Saarland ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Im Rahmen der
Bestandsaufnahme saarländischer Industriedenkmäler wurde die Siedlung Alte Schmelz
1988 in die Denkmalliste aufgenommen. Da das Drahtwerk als Eigentümer seit Jahren
die erforderlichen Instandhaltungsarbeiten unterlassen hatte, befanden sich
die Gebäude durchweg in einem schlechten Zustand. Die Mieter hatten häufig von
sich aus die unerlässlichen Reparaturen vorgenommen und dafür gesorgt, dass
die Häuser bewohnbar blieben. Zum Teil hatten sie auch Heizung, Bäder, Toiletten
usw. eingebaut.
Anfang der neunziger Jahre gab das Drahtwerk den
angrenzenden Werksbereich auf und verkaufte das Schlafhaus. Da der städtische
Flächennutzungsplan das gesamte Gelände als Gewerbegebiet auswies, schien Wohnen
auf der Alten Schmelz keine Zukunft zu haben. Als das Unternehmen dann im April
1993 in den Konkurs der Eigentümergesellschaft Saarstahl AG zu geraten drohte,
befürchteten die Bewohner den Verkauf der Siedlung und den Verlust ihrer Wohnungen.
Auch wenn die Häuser in schlechtem Zustand waren, wollten sie ihr vertrautes
Lebensumfeld, ihre Nachbarschaftsbeziehungen und die niedrigen Mieten nicht
aufgeben.
Im Juli 1993 bildete sich der Arbeiterverein Alte Schmelz, der die Erhaltung
und Sanierung der Siedlung für ihre Bewohner/innen anstrebte. Mit einem Straßenfest
warb der Verein für seine Ziele und machte die Alte Schmelz bekannt. Bei dieser
Gelegenheit besuchten viele St. Ingberter zum ersten Mal diesen Teil ihrer Stadt.
Der Arbeiterverein erfuhr besondere Unterstützung vom ehemaligen Landtagspräsidenten
Albrecht Herold, der selbst lange Zeit auf der Alten Schmelz gelebt hat. Die
Stadt St. Ingbert erklärte im Herbst 1993 die Siedlung und den stillgelegten
Werksbereich zum Sanierungsgebiet. Während der Arbeiterverein die Gründung einer
Genossenschaft vorbereitete, erwarb als Zwischenlösung eine städtische Verwaltungsgesellschaft
das Gelände zu einem symbolischen Preis. Mit Zuschüssen von Stadt und Denkmalpflege,
ergänzt durch die Mieteinnahmen, konnten im November 1994 die Sanierungsarbeiten
beginnen. Aber erst mit der Zusage der Landesregierung für die Absicherung der
Finanzierung auf 15 Jahre im Herbst 1995 war die Zukunft der Alten Schmelz gesichert.
Nun konnte die Wohnungsbaugenossenschaft Alte Schmelz
e.G. die Siedlung und die Trägerschaft der Sanierung übernehmen. Alle Bewohner
sind Mitglieder der Genossenschaft. Gegen Zahlung einer Einlage, gegen eine
relativ geringe Miete und einen eigenen Arbeitsbeitrag genießen sie ein lebenslanges
Wohnrecht, das vererbt werden kann. Mit der Wohnungsgenossenschaft wurde ein
Modell gefunden, das es ermöglicht, den Erhalt kostengünstigen Wohnraums für
die ursprünglichen Bewohner mit der Schaffung zeitgemäßer Wohnverhältnisse zu
verbinden und gleichzeitig den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht zu
werden.
Die Alte Schmelz Ende der 1980er Jahre und heute
nach der Sanierung
Schwierigkeiten mit der Datierung
Die Schätzungen, die am Ende der Bestandszeit angefertigt wurden, liefern Anhaltspunkte
für die Baudaten von Werks- und Wohngebäuden aus der frühen Zeit des Eisenwerks.
Weitere Hinweise können aus der Altersbestimmung des in den Dächern verwendeten
Holzes gewonnen werden. Auf Grund der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen
lässt sich schließlich die Wahrscheinlichkeit größerer Baumaßnahmen zu einem
bestimmten Zeitpunkt ermessen.
Ältester Plan von Eisenwerk und Siedlung, 1791
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Der älteste erhaltene Plan des Geländes stammt von
1791, aber erst die Katasterkarten ab Mitte der 1840er Jahre erlauben es, die
Entwicklung fortlaufend zu verfolgen. Im Jahre 1803 malte Johann Friedrich Dryander
die Familie Krämer auf dem Gelände des Eisenwerks. Eine Reihe von Zeichnungen
aus den 1840er Jahren zeigen das Werk und seine Umgebung, wobei nicht immer
davon ausgegangen werden kann, dass die Künstler ihren Gegenstand wirklichkeitsgetreu
dargestellt haben. Das früheste Fotos stammt vom Ende der 1860er Jahre. Der
Jubiläumsband von 1913 enthält eine fotografische Bestandsaufnahme der Werksanlagen.
Im folgenden soll gezeigt werden, wie sich Hinweise zur Datierung gewinnen lassen,
aber auch wie es zu Trugschlüssen kommen kann, wenn Daten isoliert betrachtet
werden.
Beispiel 1: Die ersten Siedlungshäuser
Durch den Vergleich der Jahresringmuster im Querschnitt von Baustämmen
lässt sich das Alter von Holz bestimmen. Auf diese Weise wurde als Fällungsdatum
des Holzes von Dachsparren aus dem Haus Alte Schmelz 10 das Jahr 1771 ermittelt1.
Die Schätzung der Werksanlagen aus dem gleichen Jahr scheint den Befund zu untermauern.
Denn darin werden vier neue Wohnungen der Arbeitsleute samt Stallung "an der
Wiese" erwähnt2. So liegt die Annahme
nahe, dass es sich bei dem Gebäude Alte Schmelz 10-16 (Nr. 18/20 wurde später
angebaut) um das genannte Wohnhaus handelt. Die Bestandsaufnahme von 1782 beschreibt
es als ein Haus in Holz-Lehm-Bauweise auf einem gemauerten Sockel3.
Das Haus Nr. 10-16 besteht jedoch aus massivem Mauerwerk. Auch ist auf dem oben
erwähnten Plan von 1791 an der Stelle dieses Hauses kein Gebäude eingezeichnet.
Der Plan verzeichnet hingegen ein Wohnhaus im Umkreis4
des Hauses Alte Schmelz 52-60, wo die zweite Holzprobe aus dem Dach der Nr.
56 als Fällungsdatum 1808 ergab.
Die Widersprüche lassen sich nicht mit Sicherheit auflösen.
Es können aber Annahmen aufgestellt werden. So ist es möglich, dass für das
Dach des Hauses Alte Schmelz 10 Holz aus einem Gebäude von 1771 verwendet wurde,
vielleicht von dem Haus "an der Wiese". Eine solche Wiederverwendung von Baumaterial
war üblich. Und es kann sein, dass ein Haus an der Stelle oder in der Nähe der
Nr. 52-60 im Jahre 1808 abgerissen und der heutige Gebäudeteil Nr. 56-60 errichtet
wurde (Nr. 52/54 wurde später angebaut)5.
Auch wenn eine genaue Datierung der ältesten erhaltenen Siedlungsbauten bisher
nicht möglich war, lässt sich der Zeitraum eingrenzen, in dem die ersten Häuser
in massiver Bauweise entstanden. Als 1791 die Karte des Hüttenwerks gezeichnet
wurde, gab es außer einem Wohnhaus bei dem heutigen Haus Nr. 52-60 kein Gebäude,
dessen Lage auch nur annähernd mit einem der heutigen Siedlungshäuser übereinstimmt.
Andererseits dürfte bis spätestens 1812 ein Teil der Siedlung fertiggestellt
gewesen sein, denn danach folgten wirtschaftliche Krisen und Umstellungsschwierigkeiten,
die bis in die 1830er Jahre andauerten. Wahrscheinlich entstanden die ersten
Häuser zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich die politische Lage beruhigt
hatte und das Hüttenwerk am Aufschwung der napoleonischen Zeit teilnahm. Dafür
sprechen auch die Holzproben aus drei weiteren Häusern mit Fällungsdaten zwischen
1806 und 1809.
Beispiel 2: Das Herrenhaus
Schon die Schätzung von 1759 erwähnt ein altes und ein neues Herrenhaus. Laut
der Bestandsaufnahme von 1782 grenzten die Grundstücke aneinander. Eine Mauer
reichte vom alten "Hüttenhaus" zum Kanal. Außerdem wird ein großer "Herrengarten"
und ein "Garten der Arbeitsleute" erwähnt, die beide mit Obstbäumen bestanden
waren. Auf dem Plan von 1791 sind die Gärten eingezeichnet, die beiden Herrenhäuser
jedoch nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Nachdem Philipp Heinrich Krämer in
das Betreiberkonsortium eingetreten war, wünschte er in einer Eingabe an die
Gräfin Marianne von der Leyen vom Dezember 1788 unter anderem ein Wohnhaus auf
dem Werksgelände, damit er den Betriebsgang beaufsichtigen könne6.
Möllerhalle und früheres Herrenhaus
Auf dem Türsturz des "heutigen" Herrenhauses steht
die Jahreszahl 1807. Demnach hat Krämers Witwe Sophie das Haus fast 20 Jahre
nach der Eingabe ihres Gatten erbauen lassen. Doch im Kaufvertrag von 1804,
mit dem Sophie Krämer das Eisenwerk erwarb, ist bereits von einem Herrenhaus
die Rede. Ein altes oder neues Herren- oder Hüttenhaus wird nicht mehr erwähnt.
Zudem zeigt das oben erwähnte Gemälde von Johann Friedrich Dryander aus dem
Jahr zuvor im Hintergrund ein Gebäude, das von Aussehen und Lage her das Haus
der Fabrikantenfamilie gewesen sein kann. Es ähnelt einem nicht erhaltenen Wohnhaus,
das neben der Möllerhalle stand und in der Niederschrift zum ersten Katasterplan
von 1845 als Herrenhaus bezeichnet wird. Das noch heute bestehende Herrenhaus
ist demnach der vierte Bau mit dieser Funktion.
1 Recktenwald/Kirch, S.
31
2 "Abschatzung des St. Ingberter Eisenwerks de
1771", Landesarchiv Saarbrücken, Bestand von
der Leyen, 763n
3 Krämer, Eisenwerk, S. 99
4 Eine genaue Ortsbestimmung lässt der Plan nicht
zu.
5 Recktenwald/Kirch, S. 27
6 Krämer, Eisenwerk, S. 107
Kunstguss aus St. Ingbert - Die Entwürfe Johann Friedrich
Dryanders für das Eisenwerk
Neben Kochtöpfen, Waffeleisen, Pflugscharen und Kanonenkugeln lieferten die
Hüttenwerke des 18. Jahrhunderts Gebrauchsgegenstände, in denen sich praktischer
Nutzen mit künstlerischer Gestaltung verband. So sind aus den ersten Jahrzehnten
des St. Ingberter Eisenwerks Ofenplatten erhalten, die als gelungene Erzeugnisse
eines volkstümlichen Kunsthandwerks gelten. Die meisten dieser gusseisernen
Platten zeigen biblische Motive, aber auch ein anschaulich dargestellter "Bauerntanz"
ist vertreten. Später wurden Wappen, Grabkreuze und Ziergegenstände aus Gusseisen
hergestellt. Ab Ende des 18. Jahrhunderts entstanden kunstvoll gestaltete Vasen
und Öfen im Stil des Empire. Kunstguss galt zeitweise als Spezialität des Eisenwerks.
Die Entwürfe schuf in dieser Zeit der Saarbrücker Maler
Johann Friedrich Dryander (1756-1812). Der Vater des Künstlers war als Posamenter1
von Halle nach Saarbrücken übergesiedelt, angezogen von der Bautätigkeit des
Fürsten Wilhelm Heinrich, die Handwerkern und Künstlern ein gutes Auskommen
versprach. Johann Friedrich Dryander lernte bei dem Maler Johann Jakob Samhammer,
der am Saarbrücker Hof tätig war, wechselte mit diesem nach Darmstadt und kehrte
nach dem Tode des Lehrers 1787 nach Saarbrücken zurück. Im Jahr darauf berief
ihn Fürst Ludwig zum Hofmaler, ein Titel, der zwar keine Anstellung bedeutete,
aber Aufträge brachte, die freilich nicht immer bezahlt wurden. Sein wohl bekanntestes
Bild zeigt den Brand des Saarbrücker Schlosses. Nach der Flucht des Fürstenhauses
wurde Dryander zum Maler der begüterten Bürgerfamilien. Im Jahre 1803 malte
er die Familie Krämer vor dem Hüttenwerk. Das Bild vermittelt einen Eindruck
von Erscheinung und Selbstverständnis einer Unternehmerfamilie im Übergang zur
bürgerlichen Gesellschaft. Im Hintergrund ist ein Teil der Werksanlagen zu sehen.
Neben Porträts und Familienbildern schuf Dryander Dekorationen für festliche
Anlässe und eine große Zahl an Miniaturen. Mit dem St. Ingberter Eisenwerk verband
den Künstler eine langjährige Zusammenarbeit, während der er die Entwurfszeichnungen
für gusseiserne Vasen und Öfen lieferte.
Säulenofen aus Gusseisen, um 1800
Auch nach dem Tode Dryanders setzte das St. Ingberter
Werk die Kunstgussproduktion fort. Außer religiösen Gegenständen, wie Hauskruzifixen
und Heiligenbildern wurden Ofen-Zierstücke, Tier- und Personenplastiken sowie
weiterhin Kannen und Vasen gegossen. Die künstlerische Produktion endete in
den 1840er Jahren, als die industrielle Massenfabrikation in den Vordergrund
trat.
Vase aus Gusseisen, um 1800
1 Hersteller und Händler
von Posamenten, d.h. Besatzartikeln, Borten, Schnüren, Quasten usw.
Der Englische Garten der Unternehmerfamilie Kraemer
Wo sich zwischen dem Drahtwerk St. Ingbert und der Dudweiler Straße heute ein
weitgehend verwahrlostes Waldstück erstreckt, befand sich früher der Park der
Familie Kraemer im Stil eines Landschaftsgartens. Vermutlich ließ die Familie
als Eigentümer des Eisenwerks den Park anlegen, kurz nachdem sie 1843 den gesamten
Wald um St. Ingbert gekauft hatte. Aus dem folgenden Jahr liegt ein Plan vor,
der den "Garten der Herren Gebrüder Kraemer" zeigt, wie er in den Grundzügen
bis zum zweiten Weltkrieg erhalten blieb. Der Park ist ein Zeuge großbürgerlicher
Gartenkultur des 19. Jahrhunderts und einer der ersten Englischen Gärten, die
im Saarland im Auftrag von Unternehmern angelegt wurden. Es handelte sich um
einen Landschaftsgarten mit Waldpartien, Wiesen und einer geschwungenen Wegeführung.
Verstreut waren kleine Plätze und Gebäude angeordnet. Ansichten aus den 1840er
Jahren zeigen eine "Fasanerie" und ein "Schweizerhaus". Um 1920 werden eine
"Almhütte", ein Gartenhaus und ein Pavillon erwähnt. Auch ein Weiher durfte
nicht fehlen. Er befand sich am südwestlichen Ende des Areals nahe bei der 1870
erbauten Unternehmervilla "Krämers Schlösschen". Auf einer Karte aus den 1860er
Jahren wird die Anlage als "Englischer Garten" bezeichnet. Der ganze Park, der
etwa 20 ha umfasste und neben dem eigentlichen Landschaftsgarten auch Wiesen
und Äcker enthielt, war von einer Mauer umgeben. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts
im östlichen Teil des Geländes die erste Direktorenvilla entstand, wurde eine
weitere Mauer errichtet, die nun einen Teil des Parks für die Bewohner dieser
Villa absonderte.
Bereits früher hatte sich die Familie Kraemer um die
Gartenkunst bemüht. So betreute Heinrich Ludwig Koellner, Sohn des Saarbrücker
Hofgärtners und Gartendirektors Johann Friedrich Christian Koellner, nach der
Vertreibung der Saarbrücker Fürsten bis zu seinem Tode im Jahre 1824 die Gärten
der St. Ingberter Hüttenbesitzer. Heinrich Ludwig Koellner hatte zuvor an der
Anlage des fürstlichen Parks "Schönthal" in der Nähe des Saarbrücker Ludwigsberges
mitgewirkt. Schon bevor der Landschaftspark angelegt wurde, gab es einen Garten
um das Herrenhaus der Familie und einen Nutzgarten im Barockstil, der sich aus
dem schon im 18. Jh. erwähnten Obstgarten der Hüttenbesitzer entwickelt hatte.
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Heute befindet sich der frühere Landschaftspark in
einem unerfreulichen Zustand. Der einst gepriesene Buchenhochwald hinter dem
inzwischen abgerissenen "Schlösschen" ist bis auf wenige Bäume einer Neuaufforstung
zum Opfer gefallen. Viele alte Bäume sind entwurzelt. Doch es gibt noch Spuren
des Englischen Gartens: Rhododendron und Stechpalmen, Ahorn, Kastanien, Platanen
und Weymouthkiefern erinnern an die Parkvegetation. Am Rande des Werksgeländes
sind efeuberankte alte Bäume erhalten geblieben. Auch die Begrenzungsmauer steht
noch, müsste jedoch renoviert werden. Einen deutlichen Hinweis auf den Landschaftspark
liefert die Wegeführung, die im wesentlichen den alten Plänen entspricht. Alleen
lassen sich erkennen, und an einigen Stellen finden sich Reste der steinernen
Wegeinfassungen.
In ihren Grundzügen wiederhergestellt, könnten die
Parkanlagen die Anziehungskraft des früheren Werksgeländes für neue kulturelle
und gewerbliche Nutzungen erhöhen, die Erschließung des historischen Ensembles
Alte Schmelz für Besucher um eine nicht alltägliche Variante bereichern und
die Naherholungsmöglichkeiten für St. Ingbert und Umgebung verbessern. Dabei
bietet sich die Möglichkeit, eine Verbindung für Fußgänger und Radfahrer von
St. Ingbert über Rentrisch zur Universität bzw. nach Saarbrücken zu schaffen.
Der ehemalige Krämersche Park könnte dazu beitragen, dass sich die "Alte Schmelz"
zu einer Attraktion weit über St. Ingbert hinaus entwickelt.
Auswirkungen auf das Landschaftsbild
Das Hüttenwerk hat auch das Landschaftsbild geprägt. Drei Schlackenhalden entstanden,
die inzwischen wieder verschwunden sind. Wasserläufe wurden unter die Erde verlegt.
Die Werksanlagen breiteten sich im Scheidter Tal aus, eine hohe Mauer verlieh
der Abgrenzung der Industrie von ihrem räumlichen und sozialen Umfeld sinnfälligen
Ausdruck. Das Bild zeigt die Halde, die sich an der Dudweiler Straße befand.
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Schmelz: Hintergründe